Was sind die Mechanismen einer oralen Störung?

Keramik-Implantologie

SDS Swiss Dental Solutions

Die in Kieferentzündungen vorliegenden oder aus wur- zelkanalbehandelten Zähnen austretenden Bakterien oder bakterielle Bestandteile gelangen in den Blutkreis- lauf (bakterielle Translokation). Dies kann als Endotoxi- nämie (erhöhte Konzentrationen an Endotoxinen im Blut) gemessen werden(1). Diese dauerhaften Belastungen sie- ben Tage die Woche für 24 Stunden lösen zwar gering- gradige, aber chronische Entzündungsprozesse im Kör- per aus. Diese werden als „Silent Inflammation“ (chronische, stumme Entzündung) bezeichnet.

SILENT INFLAMMATION

Im Laufe der Zeit kann eine Silent Inflammation zu schwe- ren metabolischen Erkrankungen wie Adipositas oder Diabetes mellitus, aber auch zu gravierenden kardiovas- kulären Erkrankungen (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall) und zu Krebserkrankungen führen(2-4). Die genannten Endotoxine, Bestandteile von Lipopolysac- chariden (LPS) der äußeren Wand gramnegativer Bakte- rien, werden von Bakterien direkt oder nach ihrem Absterben freigesetzt. LPS aktivieren Zellen des ange- borenen Immunsystems und setzen die Entzündungsre- aktion in Gang. Die Aktivierung von Makrophagen bewirkt eine intrazelluläre NF-κB-Bildung sowie die Pro- duktion pro-inflammatorischer Zytokine. Durch eine ver- mehrte NF-κB-vermittelte Genaktivierung kommt es zur Bildung der Stickstoffmonoxid-Synthase, welche die Bil- dung von Stickstoffmonoxid (NO) einleitet. Dies ist Grundlage des sog. Nitrostress und ein Faktor bei der Entstehung von Mitochondriopathien(1).

AUTOIMMUNERKRANKUNGEN

Jede unserer Zellen besitzt einen sogenannten MHC (Major Histocompatibility Complex)(5,6). Dieser codiert für unser Immunsystem die Information, dass diese Zelle zu uns gehört, also eine „Self-Zelle“ ist. Man könnte dies mit einer Uniform vergleichen, die eine Person trägt, wel- che sie als Mitglied einer bestimmten Gruppe aus- zeich- net und verhindert, dass sie von anderen Mitgliedern angegriffen wird. Wird dieser MHC-Code allerdings ver- ändert, so wäre dies in etwa so, als ob die Zelle die Uni- form wechseln und deshalb von der Polizei ihrer eigenen Gruppe, also dem eigenen Immunsystem, ange- griffen würde, obwohl unter der Uniform immer noch dieselbe Zelle verborgen ist. Die „Self-Zelle“ wird nun irr- tümli- cherweise als „Non-Self-Zelle“ erkannt. Besonders Toxine aus Kieferentzündungen oder aus wurzelkanalbehandel- ten Zähnen, aber auch Schwermetalle aus Dentalmateri- alien, allen voran Amalgam, welches zu über 50 % aus Quecksilber besteht, docken an unseren Zellen an und verändern diesen MHC-Code. Handelt es sich dabei um eine Muskelzelle, so kann dies in einer Fibromyalgie resul- tieren. Handelt es sich um eine Nervenzelle, so kann dies MS, ALS oder Morbus Alzheimer auslösen. Verschiedene

Studien belegen den Zusammenhang zwischen Amal- gam und MS, ALS und Morbus Alzheimer(7-9).

RETROGRADER AXONALER TRANSPORT

Giftstoffe wie Endotoxine aus Bakterien der Mundhöhle können, analog zu Tetanus- und Botulinustoxinen, durch die Axone, also Nervenfasern, transportiert werden und gelangen auf diesem Wege extrem schnell in die Gang- lien oder in das ZNS(10), wo sie zu Blockaden und Ausfäl- len z.B. des Nervus trigeminus, abbducens oder facialis führen können. Die Entfernung eines Herdes oder Stör- feldes und damit die Beseitigung der Nachschubquelle an z.B. Endotoxinen kann deshalb im Sinne eines „Sekun- denphänomens“ zu einer urplötzlichen Verbesserung im Bereich des Ausbreitungsgebietes dieses Nerven führen. Dies kann zuvor durch das Anspritzen mit einem Neural- therapeutikum simuliert werden(11).

ALLERGIEN UND UNVERTRÄGLICHKEITEN

Echte Typ-I-Allergien treten sehr häufig auf Kunststoffe, insbesondere Methacrylate, auf(12). Typ-IV-Allergien tre-ten auf Dentallegierungen auf(13). Titan hingegen löst partikelinduzierte Entzündungen aus, da Titanpartikel im implantatnahen Gewebe von Makrophagen phagozy- tiert werden, die diesen Reiz mit der Ausschüttung von osteoresorptiven, pro-entzündlichen Zytokinen (TNF-α, IL-1β) beantworten(14,15). Deshalb sollte vor einem Einsatz von Titan die Entzündungsneigung mit dem „Titan-Sti- mulationstest“ nachgewiesen werden (www.imd-berlin. de). Unser Schaubild (Abb. 1) zeigt, wie es über die Achse Titanpartikel > Aktivierung von Gewebemakrophagen > Ausschüttung von TNF-α und IL-1β > Osteoklastenakti- vierung zum Knochenabbau rings um das Implantat kommt(16,17). Neueste Studien beweisen unsere langjäh- rige Annahme, dass die sog. Periimplantitis, also der ent- zündliche Knochenabbau an Titanimplantaten, nichts Anderes ist, als der Ausdruck einer Titanunverträglich- keit(17,18). Es wird dadurch verständlich, warum die allge- mein propagierte Methode zur Behandlung der Periim- plantitis nicht funktioniert, die darin besteht, das Titanimplantat abzuschleifen und/ oder mit Titanbürst- chen zu reinigen: dies setzt erneut große Mengen an Titanpartikeln in das Knochen- und Zahnfleischgewebe frei. Dies wirkt so, als ob man Öl ins Feuer schütten würde und führt über die o.a. Achse zu noch mehr Knochenab- bau! Eine mögliche Therapie der Titan-Periimplantitis würde nach unserer Empfehlung in einer Förderung der Knochenbildung durch Gaben der Vitamine C, D3 und K2/ mk7, von Magnesium, Zink und Omega 3(19-27) sowie in einer Hemmung der knochendestruierenden Osteo- klasten durch Gaben von wiederum Vitamin C und D3 bestehen(28,29).

Bei allen oben genannten pathogenetischen Mechanis- men spielen Störungen und Belastungen des Immun- systems eine direkte oder indirekte Rolle. Dies sollte im Zusammenhang mit der Feststellung von Prof. Yehuda Shoenfeld, einem der weltweit führenden Immunologen, gesehen werden, dass jeder zweite Amerikaner an einer Erkrankung des Immunsystems leidet(30). Dies unter- streicht die Notwendigkeit, bei allen chronischen Er- krankungen nach Störungen in der Mundhöhle zu fahnden.

WURZELKANALBEHANDLUNGEN

Wurzelkanalbehandelte Zähne sind tote Zähne (Abb. 2). Der abgestorbene Zahn, der einmal ein Organ mit eige- ner Nerven- und Blutversorgung war, verbleibt als toter Pfeiler in der Mundhöhle. Auch die beste Mikro-Endo- dontie wird nie eine komplett bakterienfreie Reinigung und bakteriendicht abgeschlossene Wurzelkanalfüllung realisieren können. Dies zeigt schon ein Querschnitt durch das Zahndentin: es ist nicht möglich, die circa 14.000–32.000 Dentinkanälchen pro mm2 Wurzelden- tin(31) ausreichend zu reinigen und zu füllen (technische Limitation). Akzessorische und Seitenkanäle und die Endo-Paro-Verbindung über die Dentinkanälchen blei- ben bestehen. Sie werden durch unterschiedliche, teils unbekannte Spezies anaerober, pathogener Bakterien besiedelt, welche das verbliebene organische Gewebe zersetzen und schädliche Stoffwechselprodukte (Toxine) absondern(32). Hier zeigt sich eine weitere, immunologi- sche Limitation. Sie besteht darin, dass in die maximal 1-3 μm weiten Dentinkanälchen Erreger wie Bakterien durch ihren geringen Durchmesser von 0,6 – 1 μm problemlos eindringen können (Abb. 3 & 4). Dort können sie jedoch von Makrophagen aufgrund ihrer Größe von ca. 25-50 μm nicht erreicht und eliminiert werden(33-35). Sehr tref- fend ist der Vergleich mit der Katze (Makrophagen), wel-

che vor dem Mauseloch (Dentinkanälchen) sitzt und die Mäuse (Bakterien) nicht erreichen kann. Diese pathoge- nen Bakterien produzieren aus den Aminosäuren Cystein und Methionin als Nebenprodukte des anaeroben Stoff- wechsels hochgiftige und potenziell krebserregende Schwefelwasserstoffverbindungen (Thioether, Mercap- tane)(36). Diese Toxine können durch irreversible Hem- mung am aktiven Zentrum vieler lebenswichtiger körper- eigener Enzyme zur Ursache vielfältiger System- und Organ-Erkrankungen werden(37-39). Die Hemmung wichti- ger Enzyme der Atmungskette von Mitochondrien wurde nachgewiesen(40) und kann auch in der klinischen Praxis durch Laboruntersuchung festgestellt werden(41). Bei jedem Kauvorgang werden diese Bakterien und v.a. deren Toxine in das Lymphsystem des umliegenden Gewebes abgegeben. Von hier gelangen sie in die Blut- bahn (fokale Infektion) und daraufhin in den gesamten Körper. In einer Studie waren in 19 von 20 endodontisch behandelten Zähnen mit apikaler Entzündung Mikroor- ganismen nachweisbar, was den Verdacht einer chroni- schen Infektion nahelegt(42). Eine andere Studie unter- suchte die Mikroflora an Zähnen mit apikaler Parodontitis. Sie wies das Vorhandensein von Stäbchen, Kokken, Fila- menten und Spirochäten nach(43).

Ist auf dem Röntgenbild eine Entzündung der Wurzel- spitze zu erkennen, so ist die Misserfolgsquote einer Wurzelkanalbehandlung auf Grund der chronischen Infektion deutlich erhöht. Grundsätzlich ist dabei festzu- stellen, dass seit der standardmäßigen Anwendung von dreidimensionalen Röntgenaufnahmen (DVT) sich gezeigt hat, dass nahezu kein wurzelkanalbehandelter Zahn frei von einer apikalen Entzündung ist. Ein intaktes Immunsystem spielt bei der Abwehr dieser nach einer Wurzelkanalbehandlung aktiven Keime eine entschei-

Mechanismen oraler Störungen

14

15

Abbildung 1: Durch Titanpartikel initiierte Entzün- dungsreaktion(18)


Abbildung 2: Vergleich eines gesunden Zahnes mit einem wurzelkanalbehandelten Zahn

dende Rolle. Häufig gelingt deren In-Schach-Halten jedoch nicht und die durch die Keime entstandene chro- nische Infektion weitet sich aus zu einer chronischen Ent- zündung des umgebenden Knochens. Das Immunsys- tem wird dadurch dauerhaft aktiviert. Die im Zuge der unspezifischen Immunreaktion aktivierten Makrophagen setzen sog. Entzündungsmediatoren (TNFα, IL-1β, Wachstumsfaktoren, Prostaglandine PGE2 und Leuko- triene) frei, die in der Blutbahn zirkulieren. Diese Entzün- dungsmediatoren begünstigen die Entwicklung oder Verschlechterung von systemischen chronischen Ent- zündungen und Autoimmunerkrankungen(44). TNFα erhöht nachweislich das Risiko, an postmenopausalem Brustkrebs zu erkranken(45,46). Dr. Thomas Rau von der Paracelsus Klinik in der Schweiz konnte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und wurzelkanal- behandelten Zähnen nachweisen. Bei über 96 % der Brustkrebspatientinnen fand er Wurzelkanalbehandlun- gen an einem oder mehreren Zähnen des Magenmeridi- ans, welcher über die Brust verläuft, im Gegensatz zu lediglich 35 % bei gesunden Patientinnen(47). Studien zei- gen zunehmend die Zusammenhänge zwischen wurzel- kanalbehandelten Zähnen und Allgemeinerkrankungen auf(37,48,49). Sie belegen, dass wurzelkanalbehandelte Zähne mit oxidativem und nitrosativem Stress sowie kar- diovaskulären Erkrankungen, Diabetes und Depressio- nen in Verbindung stehen können(2-4,39,50,51). Die perfekte Abwehrleistung eines gesunden Organismus auf eine derartige Entzündung würde sich in einem Abszess mit dicker Backe äußern. Dies kennen wir heute jedoch nur noch aus den Lehrbüchern, denn seit rund 20 Jahren tritt dies bei keinem unserer Patienten mehr auf, da die Immunleistung der Menschen der westlichen Industrie- nationen massiv abgenommen hat. In den letzten 50 Jahren hat sich der Immunglobulin-A-Gehalt,

ein Maß für die Stärke des Immunsystems, in diesen Län- dern um über 30 % reduziert! Auch eine Zyste mit oder ohne Fistel zeugt von einem halbwegs intakten Immun- system, aber auch dies wird immer seltener. Meist liegt im Bereich der wurzelkanalbehandelten Zähne nur noch eine nicht abgegrenzte diffuse Osteonekrose (IO/ NICO/ FDOK) vor als Zeichen für die vollständige Kapitulation des Immunsystems! Neben den bei wurzelkanalbehan- delten Zähnen auftretenden stillen Entzündung (silent inflammation) und Autoimmunreaktionen treten sehr oft auch allergische Reaktionen auf verschiedene hochaller- gene Stoffe wie Guttapercha, Silber, Perubalsam oder Paraformaldehyd auf, die in der Wurzelfüllung enthalten sind(54).

MERIDIANSYSTEM UND ORGANBEZUG

Die gesamte Körperoberfläche wird von einem Netz von Energiebahnen (Meridianen) überzogen, die an Schalt- punkten (Akupunkturpunkten) als kleine Nerven-Gefäß- Bündel durch die Muskelfaszien treten und anatomisch nachgewiesen werden konnten. Auch die Informations- übermittlung entlang der Meridiane konnte durch Injek- tion radioaktiv markierter Substanzen an den Aku- punk- turpunkten nachgewiesen werden. Jeder dieser Meridiane durchläuft einen bestimmten Zahn oder eine Zahngruppe und steht mit bestimmten anatomischen Strukturen, Organen und Systemen in Verbindung (siehe Schema S. 24 & 25)(53). Aufgrund dieser Vernetzung

durch das Meridiansystem führt eine Entzündung oder Störung in einem bestimmten Zahnbereich fast immer zu einer Störung im Bereich dieses Meridians und im Umkehrschluss zu einer Verbesserung, sobald diese Stö- rung entfernt wurde. Kennt der biologisch arbeitende Zahnarzt die Zähne und Zahnareale, welche im Zusam- menhang mit einem bestimmten Organ oder Organbe- reich stehen, so ist er in der Lage, den Patienten ganz gezielt nach gesundheitlichen Störungen entlang dieses Meridians zu befragen und durch Neuraltherapie am ent- sprechenden Zahnareal die Verbesserung entlang des Meridians zu simulieren.

Dies ist eine für den Patienten sehr überzeugende Diag- nose- und Therapiesimulationsmethode, da dieser inner- halb von Sekunden bis wenigen Stunden eine vorüber- gehende Verbesserung z.B. der Beweglichkeit eines Armes verspürt, obwohl ein vom Arm entfernt liegendes Zahnareal angespritzt wurde(54). Über diese präzise defi- nierte Fernvernetzung der Meridiane hinaus existiert ein sogenanntes Myotom, welches von allen Störungen der Mundhöhle beeinflusst wird: C1-C7. Dies bedeutet, dass sich grundsätzlich alle Störungen der Mundhöhle in Nackenbeschwerden, meist mit Einschränkungen der Kopfmobilität, äußern.

DAS STÖRFELDER-KONZEPT

Das Konzept des „Störfelds“ im System Mensch geht davon aus, dass ein Entzündungsprozess an einem Ort im Körper eine Reaktion an einer anderen Stelle hervor- rufen und zur Therapieresistenz und Chronifizierung von Beschwerden führen kann. Die klassische Störfelderken- nung erfolgt beim Zahnarzt über die Auswertung von Röntgenbildern und klinischen Befunden und deren Zuordnung zu medizinischen Befunden der jeweiligen behandelnden Fachrichtung.

Störfelddiagnostik

Die Zähne gehören zu den bedeutendsten Teilsystemen innerhalb eines Netzwerks regulativ arbeitender Teilbe- reiche des Organismus. Zähne und ihr zugehöriger Zahn- halteapparat (Odonton) haben eine Beziehung zu ande- ren körperlichen Strukturen und Organen. Reinhold Voll hat den Begriff des Odontons geprägt und, auf der Grundlage des Meridiansystems, die direkten und engen Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Odonto- nen und den verschiedenen Bereichen des Körpers iden- tifiziert. Dabei sind Interaktionen und positive wie nega- tive Beeinflussungen im Sinne einer Fernwirkung in beide Richtungen möglich: Ein gestörtes Organ kann sich pathologisch auf das zugehörige Odonton auswirken und umgekehrt kann ein kranker Zahn oder sein Zahn- halteapparat das mit ihm korrelierende Organ stören (siehe S. 24 & 25)(55,56).

Mechanismen oraler Störungen

16

17

Abbildung 4: Diese Abbildung zeigt, dass Bakterien, Viren, Pilze, Spirochäten und andere Keime problem- los in mehreren Reihen in das Dentinkanälchen ein- dringen können.

07. – 15. September 2022

Lernen Sie SDS ACCELERATE, das Konzept für erfolgreiche Sofortimplantation, an nur einem Abend in Ihrer Stadt kennen – mit  Dr. Ulrich Volz

MÜNCHEN 07.09.2022
STUTTGART 08.09.2022
NÜRNBERG 09.09.2022
BERLIN 10.09.2022
HAMBURG 11.09.2022
BREMEN 12.09.2022
HANNOVER 13.09.2022
DÜSSELDORF 14.09.2022
MANNHEIM 15.09.2022