Tissue-Level vs. Bone-Level Implante
2.3.2026 · 4 min

Die Unterschiede verstehen – Biologische Vorteile gezielt nutzen
In der Implantologie haben sich zwei grundlegende Implantatdesigns etabliert: Bone-Level-Implantate und Tissue-Level-Implantate. Jedes Design folgt einem eigenen chirurgischen und prothetischen Protokoll – mit Auswirkungen auf die Stabilität des Weichgewebes, den Erhalt des krestalen Knochens, die Ästhetik sowie den Langzeiterfolg.
Dieser Artikel erläutert beide Implantattypen im Detail und erklärt, warum das Tissue-Level-Konzept aus biologischer und klinischer Sicht Vorteile bietet – insbesondere bei der Verwendung von Zirkonimplantaten.
Was sind Bone-Level-Implantate?
Bone-Level-Implantate werden auf Höhe des krestalen Knochens inseriert. Die Implantatschulter liegt bündig mit oder leicht unterhalb der Knochenkante. Anschließend wird ein separates Abutment verbunden, sodass sich die Implantat-Abutment-Verbindung auf oder unterhalb des Knochenniveaus befindet.
Wesentliche Merkmale
- Insertion auf krestalem Knochenniveau
- Zweiteiliges Design mit separatem Abutment
- Implantat-Abutment-Schnittstelle auf oder subkrestal
- Einsatz im ästhetischen Bereich und anderen Regionen
Potenzielle Herausforderungen
- Mikrobewegungen oder Mikrospalten an der Implantat-Abutment-Verbindung
- Risiko bakterieller Infiltration
- Krestales Knochenremodelling und Gingivarezession
- Wiederholte Manipulation des Weichgewebes bei Freilegung und Abutmentwechsel
Historisch wurden Bone-Level-Systeme vor allem innerhalb der Titanimplantologie entwickelt. Die subkrestale Positionierung ist dort häufig notwendig, um die metallische Schulter im ästhetischen Bereich zu maskieren und Grauschimmer bei dünnem Gingivatyp zu vermeiden.
Was sind Tissue-Level-Implantate?
Tissue-Level-Implantate werden so positioniert, dass sich die Implantatschulter im Weichgewebe befindet. Die Implantat-Prothetik-Schnittstelle liegt somit oberhalb des krestalen Knochens.
Wesentliche Merkmale
- Positionierung auf Weichgewebsniveau
- Transmukosale Einheilung
- Implantatschulter außerhalb des krestalen Knochens
- Reduziertes Risiko für krestalen Knochenverlust
Das zentrale Prinzip des Tissue-Level-Konzepts besteht darin, die biologische Breite von Beginn an zu respektieren und die sensible Knochen-Weichgewebe-Grenze nicht zu stören.
Der entscheidende Unterschied: die Biologie
Der grundlegende Unterschied zwischen Bone-Level- und Tissue-Level-Implantaten ist nicht primär mechanischer, sondern biologischer Natur.
Bei Bone-Level-Implantaten liegt die Implantat-Abutment-Schnittstelle auf oder nahe dem krestalen Knochen. Selbst minimale Mikrospalten oder bakterielle Besiedlung können entzündliche Reaktionen auslösen und potenziell zu krestalem Knochenverlust führen.
Beim Tissue-Level-Design befindet sich diese Schnittstelle koronal, entfernt vom sensiblen Knochenbereich. Dadurch wird:
- der krestale Knochen geschützt
- eine stabile biologische Breite erhalten
- die Manipulation des periimplantären Weichgewebes reduziert
Aus Sicht der Langzeitstabilität und periimplantären Gesundheit bietet das Tissue-Level-Prinzip klare biologische Vorteile.
Warum das Tissue-Level-Konzept besonders bei Zirkonimplantaten entscheidend ist
Während die Bone-Level-Positionierung bei Titanimplantaten häufig aus ästhetischen Gründen erforderlich ist, verändert sich das Paradigma grundlegend bei der Verwendung von Keramikimplantaten aus Zirkon.
Zirkon ermöglicht einen biologisch anderen Ansatz.
1. Die Zirkon–Epithel-Anhaftung
Weichgewebe haftet an der Zirkonoberfläche. Histologische Studien zeigen eine stabile epitheliale und bindegewebige Anlagerung an Zirkonimplantate, häufig als „Zirkon-Epithel-Anhaftung“ bezeichnet.
Dies bewirkt:
- Eine feste Versiegelung zwischen Gingiva und Implantatkragen
- Eine immunologische Barriere gegen bakterielle Invasion
- Keine Notwendigkeit einer kritischen subkrestalen Schnittstelle
Eine Bone-Level-Positionierung würde diese wertvolle biologische Versiegelung stören.
2. Ein breiteres – nicht schmaleres – zervikales Design
Viele Titanimplantate weisen eine schmale Übergangszone auf. Biologisch optimierte Zirkonimplantate hingegen verfügen über einen breiteren zervikalen Kragen.
Dieser ausgeformte Kragen:
- stabilisiert das Weichgewebe
- unterstützt die Papillenhöhe
- verbessert die „Pink Esthetics“
- schließt funktionell die „immunologische Tür“
Dieses Konzept ist nur bei konsequenter Tissue-Level-Positionierung vollständig wirksam.
3. Der Knochen kann sich natürlich verjüngen
Zirkon weist bei Raumtemperatur keine Duktilität auf. Im Gegensatz zu Titan verformt es sich unter Belastung nicht elastisch. Dadurch kann sich der Knochen physiologisch um das Implantat herum anpassen, ohne mechanisch induzierte Resorption.
Klinische Konsequenzen:
- Reduzierter Bedarf an Augmentationsmaßnahmen
- Erhalt der Papillenhöhe
- Kein unnötiges Einebnen scharfer Knochenkanten
Auch hier ist die korrekte Tissue-Level-Positionierung Voraussetzung für diesen biologischen Vorteil.
Unsere klinische Schlussfolgerung: konsequente Tissue-Level-Positionierung
Auf Basis biologischer, mechanischer und klinischer Überlegungen wurde eine bewusste Entscheidung getroffen:
Alle Implantate wurden konsequent als Tissue-Level-Implantate positioniert.
Diese Entscheidung ist nicht marketinggetrieben, sondern basiert auf:
- Mehr als 20 Jahren Erfahrung mit Keramikimplantaten
- Zehntausenden gesetzten Implantaten
- Täglicher klinischer Anwendung in der SWISS BIOHEALTH CLINIC
- Kontinuierlicher Weiterentwicklung auf Basis praktischer Erfahrung
Engineering für biologische Stabilität
Dynamic Thread® – Apikale Primärstabilität
Der apikale Bereich der Implantate verfügt über ein selbstschneidendes Dynamic Thread®-Design.
- Bis zu 2,5-fache Gewindetiefe
- Niedrige Gewindesteigung (7°)
- Knochenkondensation in Klasse III- und IV-Knochen
- Bildung von Heilungskammern in dichtem Knochen
- Insertionstorque: 35 Ncm
Das Ergebnis ist eine hohe Primärstabilität bei biologisch kontrollierter Kraftverteilung.
Zervikales Mikrogewinde
Im Bereich höchster mechanischer Belastung befindet sich ein 0,04 mm Mikrogewinde:
- Anpassung an kortikalen Knochen
- Vermeidung schädlicher Kompression
- Vergrößerung des Kerndurchmessers
- Optimierte Lastverteilung
Bei Tissue-Level-Insertion befindet sich der Knochen exakt dort, wo er biologisch vorgesehen ist.
Konisches Implantatdesign statt zylindrischer Geometrie
Keramik dissipiert iatrogene Hitze nicht. Daher wurde bewusst auf zylindrische Designs und aggressive Schneidflanken verzichtet.
Die konischen Implantate:
- „Drop-in“ von mehr als 70 % in Klasse-I-Knochen
- Minimieren Reibung
- Verhindern Überhitzung
- Bilden Heilungskammern
- Fördern eine bis zu 30-fach beschleunigte Kallusbildung
Biologie vor Mechanik.
Zweiteilig – und dennoch Tissue-Level
Auch das zweiteilige System (SDS2.2) bleibt dem Tissue-Level-Prinzip treu.
- Die Implantat-Abutment-Schnittstelle liegt nicht im Knochen
- Die Verbindung befindet sich im unteren Kragenbereich
- Nach Zementierung funktioniert es wie ein einteiliges System
- Keine beweglichen Komponenten
- Eine einzige bakterienresistente Verbindung
Dies vereint prothetische Flexibilität mit biologischer Sicherheit.
Fazit: Tissue-Level ist kein Design – es ist ein biologisches Konzept
Der Vergleich zeigt:
Bone-Level ist ein historisch titanbasiertes Konzept.
Tissue-Level hingegen ist – bei korrekter Umsetzung – ein biologisch orientierter Ansatz, der:
- den krestalen Knochen schützt
- das Weichgewebe stabilisiert
- die Papillenhöhe erhält
- die periimplantäre Gesundheit unterstützt
- ästhetisch überlegen sein kann
Mit Zirkon als Material ist eine subkrestale Positionierung nicht mehr erforderlich.
Wir denken Implantologie nicht metallisch, sondern biologisch.
Deshalb sind unsere Implantate konsequent Tissue-Level.




