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"Study of the Month", Juni 2026: Zirkonimplantate in der klinischen Realität: Erkenntnisse aus 779 Implantaten

10.7.2026 · 7 min

Das Wichtigste auf einen Blick
Ein aktuelles Scoping-Review mit 779 Zirkonimplantaten bei 459 Patienten zeigt, dass die verfügbare klinische Literatur zunehmend auch Patienten mit ausgewählten systemischen und lokalen Risikofaktoren einschließt. Anstatt definitive Aussagen für einzelne Risikogruppen zu treffen, liefert die Arbeit einen wichtigen Überblick darüber, wie sich die Evidenz zu Zirkonimplantaten unter realen klinischen Bedingungen entwickelt. Gleichzeitig werden Bereiche aufgezeigt, in denen weitere Forschung erforderlich ist.


Wie belastbar ist die Evidenz jenseits des „idealen“ Patienten?

Die meisten klinischen Studien zu Zahnimplantaten konzentrieren sich auf gesunde Patienten, die unter kontrollierten Bedingungen behandelt werden. Der klinische Alltag sieht jedoch häufig anders aus: Viele Patienten rauchen, weisen systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf oder benötigen Sofortimplantations- und Sofortbelastungsprotokolle.


Daraus ergibt sich eine wichtige Fragestellung:

Wie werden Zirkonimplantate in der verfügbaren klinischen Literatur bei Patienten mit lokalen oder systemischen Risikofaktoren beschrieben?

Ein aktuelles Scoping-Review der ZrO Summit 2025 Working Group bietet hierzu einen umfassenden Überblick über die derzeit verfügbare wissenschaftliche Evidenz.





Was wurde untersucht?

Das Review analysierte systematisch die veröffentlichte klinische Evidenz zu Zirkonimplantaten bei Patienten mit lokalen oder systemischen Risikofaktoren.

Die eingeschlossene Evidenzbasis umfasste:

• 10 klinische Studie
• 459 Patienten
• 779 Zirkonimplantate
• Nachbeobachtungszeiträume von 1 bis 5 Jahren


Die Durchführung erfolgte gemäß den PRISMA-ScR-Richtlinien sowie der Methodik des Joanna Briggs Institute (JBI). Dadurch entstand eine strukturierte Übersicht über die aktuell verfügbare Evidenz zu diesem Themengebiet.



Welche Risikofaktoren wurden berücksichtigt?

Die eingeschlossenen Studien berichteten über Behandlungsergebnisse von Zirkonimplantaten bei Patienten mit unterschiedlichen klinischen Ausgangssituationen.


Systemische Faktoren


Die verfügbare Evidenz umfasste Patienten mit:

• gut eingestelltem Diabetes mellitus

• kontrollierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen

• kontrollierter HIV-Infektion


Lokale Faktoren


Darüber hinaus wurden Fälle untersucht mit:


• moderatem bis starkem Tabakkonsum

• Sofortimplantation

• Sofortbelastung

• Knochenaugmentationen

• Implantaten mit reduziertem Durchmesser oder verkürzter Implantatlänge


Diese Patientengruppen spiegeln den klinischen Alltag deutlich stärker wider als die häufig stark selektionierten Studienpopulationen klassischer Implantatstudien.



Sofortbelastung war in den eingeschlossenen Studien häufig vertreten

Eines der auffälligsten Ergebnisse des Reviews war die häufige Anwendung von Sofortbelastungsprotokollen.

Von den insgesamt 779 eingeschlossenen Zirkonimplantaten wurden:

• 671 Implantate sofort belastet

• 188 Implantate konventionell belastet


Diese Ergebnisse zeigen, dass Sofortbelastungsprotokolle in der verfügbaren klinischen Evidenz bereits umfassend vertreten sind. Gleichzeitig bleiben Patientenselektion, Implantatdesign, chirurgisches Vorgehen und Primärstabilität wichtige klinische Einflussfaktoren. 



Marginale Knochenniveaus blieben innerhalb klinisch akzeptabler Grenzen

Über die eingeschlossenen Studien hinweg lagen die berichteten Werte für den marginalen Knochenverlust während der jeweiligen Beobachtungszeiträume grundsätzlich innerhalb der klinisch akzeptierten Grenzwerte.

Trotz Unterschiede hinsichtlich Patientenprofilen, Implantatsystemen und Behandlungsprotokollen zeigten die periimplantären Knochenniveaus innerhalb der verfügbaren Nachbeobachtungszeiträume insgesamt eine stabile Entwicklung.



Was bedeutet das für die klinische Praxis?

Der zentrale Wert dieses Reviews liegt nicht darin, für jeden Risikofaktor bereits abschließende Antworten zu liefern. Vielmehr zeigt die Arbeit, wie Zirkonimplantate in Studien mit zunehmend komplexeren Patientenkollektiven untersucht wurden.

Die derzeit verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass:

• kontrollierte systemische Erkrankungen in der vorhandenen Literatur vertreten sind und im Rahmen einer individuellen klinischen Beurteilung berücksichtigt werden sollten,

• lokale Risikofaktoren eine fallbezogene klinische Bewertung erfordern,

• Sofortimplantations- und Sofortbelastungsprotokolle bereits gut in der Literatur repräsentiert sind,

• zusätzliche prospektive Langzeitstudien weiterhin notwendig bleiben.


Obwohl dieses Review die aktuell verfügbare klinische Evidenz zusammenfasst, geht die Therapieplanung bei Patienten mit Risikofaktoren weit über die Ergebnisse einzelner Studien hinaus. Faktoren wie Implantatdesign, Primärstabilität, Weichgewebsmanagement und biomechanische Aspekte bleiben wichtige Bestandteile der klinischen Entscheidungsfindung.

Für eine ausführlichere Betrachtung von Behandlungskonzepten und implantatbezogenen Faktoren bei Risikopatienten lesen Sie unseren Beitrag „Keramikimplantate bei Risikopatienten“.



In welchen Bereichen besteht weiterer Forschungsbedarf?

Das Review identifiziert mehrere Themenfelder, in denen zusätzliche wissenschaftliche Daten erforderlich sind:

• Osteoporose

• Autoimmunerkrankungen

• Patienten nach Kopf-Hals-Radiotherapie

• standardisierte chirurgische Protokolle

• standardisierte prothetische Behandlungskonzepte

• Langzeitergebnisse über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren

• direkte Vergleiche moderner zweiteiliger Zirkonimplantatsysteme

Die Ergebnisse zukünftiger Studien könnten dazu beitragen, klinische Empfehlungen weiter zu präzisieren. 



Fazit

Dieses Scoping-Review zeigt, dass Zirkonimplantate zunehmend auch außerhalb idealisierter Studienpopulationen untersucht werden – einschließlich klinischer Situationen mit ausgewählten lokalen und systemischen Risikofaktoren.

Obwohl weitere Langzeitdaten erforderlich sind, berichten die derzeit verfügbaren Studien über klinisch akzeptable Ergebnisse in ausgewählten komplexeren Behandlungssituationen. Mit dem weiteren Ausbau der Evidenzbasis könnte die wissenschaftliche Literatur das Patientenspektrum, das Behandler im klinischen Alltag antreffen, künftig noch besser abbilden.




FAQs – Zirkonimplantate in der klinischen Realität

1. Gibt es wissenschaftliche Evidenz für den Einsatz von Zirkonimplantaten bei Patienten mit Risikofaktoren?
Ja. Das aktuelle Scoping-Review identifizierte 10 klinische Studien mit insgesamt 459 Patienten und 779 Zirkonimplantaten, die bei Patienten mit verschiedenen lokalen und systemischen Risikofaktoren inseriert wurden.
2. Welche Risikofaktoren wurden in Studien zu Zirkonimplantaten untersucht?
Die verfügbare Literatur umfasst Patienten mit kontrolliertem Diabetes mellitus, kardiovaskulären Erkrankungen, HIV-Infektionen sowie moderatem bis starkem Tabakkonsum. Darüber hinaus wurden Fälle mit Sofortimplantation, Sofortbelastung und augmentativen Verfahren untersucht.
3. Wurden Zirkonimplantate bei Patienten mit Diabetes untersucht?
Ja. Mehrere Studien schlossen Patienten mit gut eingestelltem Diabetes mellitus ein. Obwohl die derzeit verfügbare Evidenz noch begrenzt ist, lagen die berichteten klinischen Ergebnisse grundsätzlich innerhalb der erwartbaren klinischen Parameter.
4. Gibt es Evidenz für die Sofortbelastung von Zirkonimplantaten?
Ja. In diesem Review wurden 671 der insgesamt 779 Zirkonimplantate im Rahmen von Sofortbelastungsprotokollen untersucht. Damit ist die Sofortbelastung eine der am häufigsten betrachteten Therapieformen innerhalb der eingeschlossenen Studien.
5. Was zeigt die aktuelle Evidenz hinsichtlich des marginalen Knochenverlusts um Zirkonimplantate?
Über alle eingeschlossenen Studien hinweg blieb der berichtete marginale Knochenverlust innerhalb klinisch akzeptabler Bereiche – trotz unterschiedlicher Patientenprofile, Implantatsysteme und Behandlungsprotokolle.
6. Wie belastbar ist die aktuelle Evidenz zu Zirkonimplantaten bei Risikopatienten?
Die Evidenzbasis wächst kontinuierlich, basiert derzeit jedoch überwiegend auf kleineren klinischen Studien und Beobachtungsstudien. Größere prospektive Untersuchungen mit längeren Nachbeobachtungszeiten sind weiterhin erforderlich.
7. Welche Patientengruppen sind in der Forschung zu Zirkonimplantaten bislang unterrepräsentiert?
Das Review zeigt deutliche Evidenzlücken bei Patienten mit Osteoporose, Autoimmunerkrankungen, vorausgegangener Kopf-Hals-Radiotherapie sowie weiteren komplexen systemischen Erkrankungen.
8. Lassen sich auf Grundlage der aktuellen Evidenz bereits klinische Empfehlungen ableiten?
Die verfügbare Literatur liefert wertvolle klinische Erkenntnisse. Für belastbare Empfehlungen in vielen Risikopopulationen sind jedoch weitere standardisierte Langzeitstudien erforderlich.
9. Warum ist Real-World-Evidence in der Implantologie wichtig?
Real-World-Evidence spiegelt die Patientenpopulation wider, die im klinischen Alltag tatsächlich behandelt wird. Sie ergänzt Erkenntnisse aus kontrollierten klinischen Studien, die häufig auf streng selektionierten Patientenkollektiven basieren.
10. Was ist die zentrale Aussage dieses Scoping-Reviews?
Das Review zeigt, dass Zirkonimplantate zunehmend bei Patienten mit lokalen und systemischen Risikofaktoren untersucht und klinisch eingesetzt werden. Gleichzeitig verdeutlicht es den Bedarf an weiteren Langzeitstudien und standardisierten Behandlungsprotokollen.



Prof. Dr. med. dent. Etyene Schnurr
Prof. Dr. med. dent. Etyene Schnurr (Wissenschaftliche Beratung, SDS)
Berät SWISS DENTAL SOLUTIONS wissenschaftlich. Sie erforscht das orale Mikrobiom, Biofilm-Infektionen und deren Einfluss auf den ganzen Körper: von klinischer Forschung über Datenanalyse bis zu Medikamentenentwicklung.

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