"Study of the Month", März 2026: Langzeit-Ergebnisse von Keramikimplantaten nach Versagen von Titanimplantaten
7.4.2026 · 3 min

Zirkonoxidimplantate rücken in der implantologischen Forschung zunehmend in den Fokus, insbesondere im Kontext des Versagens von Titanimplantaten. In der diesmonatigen Study of the Month, vorgestellt auf dem IADR‑Kongress, fasst Prof. Dr. Etyene Schnurr die Ergebnisse einer umfangreichen retrospektiven klinischen Studie zusammen, in der die Langzeitperformance von Keramikimplantaten untersucht wurde, insbesondere von Tissue-Level-Zirkonoxidimplantaten, die nach dem Verlust von Titanimplantaten inseriert wurden.
Die Ergebnisse liefern klinisch hochrelevante Erkenntnisse für die Implantologie, insbesondere für den Umgang mit kompromittierten Implantatlagern sowie für Patientinnen und Patienten mit dem Wunsch nach einer metallfreien implantatgetragenen Rehabilitation.
Hintergrund: Warum Keramikimplantate nach Titanimplantat‑Versagen?
Titanimplantate gelten weiterhin als Goldstandard in der dentalen Implantologie und weisen 10‑Jahres‑Überlebensraten von über 95 % auf. Dennoch gibt es klinische Situationen, in denen alternative Implantatmaterialien von Vorteil sein können:
- Ästhetische Limitationen durch graues Durchschimmern von Titan bei dünner periimplantärer Mukosa
- Biologische Fragestellungen im Zusammenhang mit der Freisetzung von Titanpartikeln oder ‑ionen
- Seltene Fälle einer Titanüberempfindlichkeit
- Zunehmende Patientennachfrage nach metallfreien Zahnimplantaten
Die vorliegende Studie untersuchte, ob Zirkonoxidimplantate auch dann langfristig zuverlässige klinische Ergebnisse erzielen, wenn sie in Arealen eingesetzt werden, die zuvor von einem Titanimplantat‑Versagen betroffen waren.
Ziel der Studie
Ziel dieser retrospektiven klinischen Studie war die Bewertung der Langzeitergebnisse von Zirkonoxidimplantaten, die nach Explantation eines fehlgeschlagenen Titanimplantats im selben anatomischen Implantatlager inseriert wurden.
Primäre Zielparameter waren:
- Kumulative Überlebensrate (CSR)
- Marginaler Knochenverlust (MBL)
- Vertikale Knochenveränderungen nach funktioneller Belastung
- Pink Esthetic Score (PES)
- Periimplantäre klinische Parameter (Plaqueakkumulation, Blutung auf Sondieren, PSR)
Studiendesign und Methodik
Insgesamt wurden 284 Zirkonoxidimplantate bei 121 Patientinnen und Patienten analysiert. Alle Implantate wurden nach der Entfernung eines Titanimplantats in derselben Region inseriert.
Indikationen für die Explantation der Titanimplantate waren:
- Vorangegangene Periimplantitis
- Prothetisches oder implantologisches Versagen
- Wunsch nach metallfreier Implantatversorgung
Verglichen wurden Sofort‑ versus Spätimplantationsprotokolle.
Die Studie erhielt die Genehmigung der Ethikkommission der Ostschweiz (BASEC‑Nr. 202501811).
Zentrale Studienergebnisse
✅ Hohe Langzeit‑Überlebensraten der Implantate
- Hohe kumulative Überlebensrate über einen Zeitraum von bis zu 9,24 Jahren über alle Indikationen hinweg
- Lediglich zwei Implantatverluste, ausschließlich in der Gruppe mit vorausgegangener Periimplantitis, 7 bzw. 8 Jahre nach funktioneller Belastung
Diese Ergebnisse zeigen, dass Zirkonoxidimplantate auch nach Titanimplantat‑Versagen eine exzellente Langzeitstabilität aufweisen – selbst in klinisch anspruchsvollen Ausgangssituationen.
🦷 Stabile periimplantäre Knochenverhältnisse
- Insgesamt stabile marginale Knochenniveaus in allen Indikationsgruppen
- Keine signifikanten Unterschiede zwischen Sofort‑ und Spätimplantation
- Keine klinisch relevanten Unterschiede in Abhängigkeit vom Implantatdesign (ein‑ vs. zweiteilig)
👉 Klinische Relevanz: Eine frühzeitige Versorgung mit Zirkonoxidimplantaten kann zur Erhaltung des periimplantären Knochens und zu verbesserten ästhetischen Ergebnissen beitragen.
🎨 Verbesserte Ästhetik und periimplantäre Weichgewebsgesundheit
- Der Pink Esthetic Score (PES) zeigte in allen Gruppen eine signifikante Verbesserung
- Deutliche Verbesserungen der periimplantären Gesundheitsparameter, darunter:
- Reduzierte Plaqueakkumulation
- Reduzierte Blutung auf Sondieren
- Verbesserte parodontale Screening‑Indizes
Zirkonoxidimplantate zeigten eine sehr günstige Weichgewebsreaktion, was die langfristige periimplantäre Gesundheit unterstützt.
Zusammenfassung der klinischen Ergebnisse
- Vorhersagbare klinische Performance von Zirkonoxidimplantaten nach Titanimplantat‑Versagen
- Metallfreie, biologisch und ästhetisch vorteilhafte Alternative, auch bei kompromittierten Implantatlagern
- Frühzeitige Implantation kann marginale Knochen‑ und Weichgewebsstabilität fördern
- Hohe Langzeit‑Überlebensraten (> 5 Jahre) über alle klinischen Indikationen hinweg
- Signifikante Verbesserungen von Ästhetik und periimplantären Gesundheitsparametern
Fazit: Zirkonoxidimplantate als zuverlässige Alternative in der Implantologie
Diese Studie liefert starke klinische Evidenz, dass Tissue‑Level‑Zirkonoxidimplantate nach Implantat‑Versagen eine zuverlässige, ästhetisch überlegene und biologisch vorteilhafte Alternative zu Titanimplantaten darstellen – selbst in anspruchsvollen klinischen Situationen.
Insbesondere für Patientinnen und Patienten mit hohen ästhetischen Ansprüchen oder dem Wunsch nach einer metallfreien Implantatlösung bieten Zirkonoxidimplantate vielversprechende Langzeitergebnisse in der modernen Implantologie.
📌 Study of the Month – Überblick
- Studientyp: Retrospektive klinische Studie
- Analysierte Implantate: 284 Zirkonoxidimplantate
- Maximale Nachbeobachtungszeit: 9 Jahre
- Überlebensrate: 98–100 %
- Zentrale Erkenntnis: Eine frühzeitige Versorgung mit Zirkonoxidimplantaten kann die langfristige Knochen‑ und Weichgewebsstabilität unterstützen




