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Einteilige vs. Zweiteilige Zahnimplantate: Aktuelle Evidenz, klinische Indikationen und Behandlungsüberlegungen

30.7.2026 · 8 min

Das Wichtigste auf einen Blick
Einteilige und zweiteilige Zahnimplantate unterscheiden sich hinsichtlich chirurgischem Workflow, prothetischer Flexibilität und Implantatdesign. Während einteilige Implantate Implantatkörper und Abutment in einer einzigen Struktur vereinen, bieten zweiteilige Systeme zusätzliche restaurative Möglichkeiten und eine größere prothetische Vielseitigkeit. Die aktuelle Evidenz belegt keine generelle Überlegenheit eines der beiden Konzepte. Entscheidend für die Implantatauswahl sind vielmehr die klinische Indikation, die Behandlungsziele sowie die individuellen anatomischen und patientenspezifischen Voraussetzungen.



Die Entwicklung einteiliger und zweiteiliger Implantatsysteme verstehen



Die frühe Entwicklung der modernen Implantologie basierte überwiegend auf zweiteiligen Implantatsystemen. Die Trennung von Implantatkörper und prothetischem Abutment ermöglichte eine abgeschlossene Osseointegration vor der definitiven Versorgung und bot gleichzeitig ein hohes Maß an prothetischer Flexibilität.

Mit dem zunehmenden Verständnis der periimplantären Biologie wuchs das Interesse an einteiligen Implantatkonzepten. In der Keramikimplantologie dominierten zunächst einteilige Zirkonoxidimplantate, insbesondere aufgrund fertigungstechnischer Überlegungen und des Wunsches, Implantat-Abutment-Schnittstellen vollständig zu vermeiden.

Heute stehen folgende Implantatkonzepte zur Verfügung:

  • Einteilige Titanimplantate
  • Zweiteilige Titanimplantate
  • Einteilige Zirkonoxidimplantate
  • Zweiteilige Zirkonoxidimplantate


Aktuelle Entwicklungen fokussieren zunehmend biologisch orientierte Implantatdesigns, stabile Weichgewebeverhältnisse und die Verlagerung biologisch sensibler Schnittstellen weg vom krestalen Knochen.



Was ist ein einteiliges Zahnimplantat?



Ein einteiliges Zahnimplantat vereint Implantatkörper und prothetisches Abutment in einer einzigen Struktur.

Nach der Implantation ragt der prothetische Anteil durch das Weichgewebe, wodurch eine separate Abutmentverbindung entfällt.


VORTEILE EINTEILIGER IMPLANTATE


Verzicht auf die Implantat-Abutment-Schnittstelle


Da Implantat und Abutment als eine Einheit gefertigt werden, existiert keine klassische Implantat-Abutment-Verbindung.

Mögliche designbedingte Merkmale sind:

  • Kein klassisches Implantat-Abutment-Mikrogap
  • Keine Abutmentschraube
  • Keine Mikrobewegung zwischen Implantat und Abutment

Da Implantat und Abutment eine Einheit bilden, entstehen keine Bewegungen an einer separaten Verbindung. Dies schließt jedoch andere mechanische oder biologische Komplikationen nicht aus.


Vereinfachter chirurgischer Workflow

Viele einteilige Implantatsysteme sind kompatibel mit:

  • Transmukosaler Einheilung
  • Sofortimplantation
  • Sofortversorgung
  • Minimalinvasiven Behandlungskonzepten



Hohe Primärstabilität

Moderne einteilige Zirkonoxidimplantate können Gewindedesigns aufweisen, die die Primärstabilität unterstützen sollen.

Die Implantatlinie SDS 1.2 verwendet beispielsweise das Dynamic Thread®-Design sowie knochendichtespezifische Bohrprotokolle. Die klinische Leistung dieser Designmerkmale hängt jedoch von Faktoren wie Knochenqualität, Osteotomie, Implantatdimension und der Einhaltung der Gebrauchsanweisung ab.



Biologische Überlegungen

Einteilige Zirkonoxidimplantate weisen keine klassische Implantat-Abutment-Verbindung auf krestalem Knochenniveau auf.

Einige klinische und präklinische Studien haben die periimplantären Weichgewebeverhältnisse an Zirkonoxidoberflächen untersucht. Die derzeitige Evidenz belegt jedoch keinen generellen biologischen Vorteil gegenüber anderen Implantatmaterialien oder Implantatdesigns.



GRENZEN EINTEILIGER IMPLANTATE


Die wichtigste Einschränkung einteiliger Implantate liegt in der geringeren prothetischen Flexibilität.

Nach der Implantation:

  • Sind Korrekturen der Implantatangulation nur eingeschränkt möglich
  • Wird die Implantatpositionierung besonders kritisch
  • Muss die okklusale Belastung sorgfältig geplant werden

Aus diesem Grund kommen einteilige Systeme insbesondere dann infrage, wenn:

  • Eine ausreichende Primärstabilität erreicht wird
  • Die Implantatposition die geplante Versorgung zulässt
  • Das Belastungskonzept der Gebrauchsanweisung und der klinischen Situation entspricht



Was ist ein zweiteiliges Tissue-Level-Implantat?


Ein zweiteiliges Implantat besteht aus einem separaten Implantatkörper und einem separaten Abutment.

Nach der Implantation kann die prothetische Versorgung an den Heilungsverlauf und die prothetischen Anforderungen angepasst werden.

Diese Flexibilität erklärt, warum zweiteilige Implantate weltweit weiterhin das am häufigsten verwendete Implantatkonzept darstellen.



Vorteile zweiteiliger Tissue-Level-Implantate



Prothetische Flexibilität

Ein wesentliches Merkmal zweiteiliger Implantate ist die Verfügbarkeit unterschiedlicher restaurativer Komponenten.

Dazu gehören:


Geringere Abhängigkeit von Sofortbelastungskonzepten

Zweiteilige Systeme erlauben die Auswahl und den Austausch restaurativer Komponenten nach der Implantation.

Falls die Primärstabilität keine Sofortversorgung zulässt, kann der Zeitpunkt der definitiven Versorgung individuell geplant werden.


Breites Indikationsspektrum

Zweiteilige Implantate werden häufig eingesetzt für:

  • Einzelzahnversorgungen
  • Mehrspannige Brücken
  • Freiendsituationen
  • Sofort- und Spätimplantationen
  • Fälle mit hoher funktioneller Belastung



Die biologische Diskussion: Die Implantat-Abutment-Schnittstelle



Die zentrale biologische Diskussion bei zweiteiligen Implantaten betrifft die Implantat-Abutment-Schnittstelle, häufig auch als Mikrogap bezeichnet.

Merkmale der Verbindung, ihre Geometrie sowie ihre Position wurden hinsichtlich bakterieller Penetration und periimplantärer Gewebeverhältnisse untersucht.

Die klinischen Ergebnisse werden jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren beeinflusst, darunter:

  • Chirurgisches Vorgehen
  • Prothetisches Konzept
  • Nachsorge
  • Patientenbezogene Faktoren

Moderne Implantatsysteme nutzen deshalb unter anderem:

  • Platform Switching
  • Interne konische Verbindungen
  • Tissue-Level-Designs
  • Hybride keramische Implantatlösungen


Ziel ist es, die restaurative Schnittstelle möglichst weit vom krestalen Knochen entfernt zu positionieren.



Klinische Indikationen: Wann eignet sich welches Konzept?




Indikationen für einteilige Implantate

Je nach Implantatsystem können einteilige Implantate in Betracht gezogen werden für:



Indikationen für zweiteilige Implantate


Je nach Implantatsystem können zweiteilige Implantate geeignet sein für:

  • Reduzierte Primärstabilität
  • Freiendsituationen
  • Komplexe Brückenrekonstruktionen
  • Hohe funktionelle Belastungen
  • Anspruchsvolle prothetische Angulationen
  • Erweiterte prothetische Anforderungen


Wohin entwickelt sich der Markt?



Aktuelle Veröffentlichungen und Fachdiskussionen zeigen ein zunehmendes Interesse an:

  • Periimplantärer Biologie
  • Langfristiger Weichgewebestabilität
  • Tissue-Level-Konzepten
  • Verlagerung restaurativer Schnittstellen weg vom Kammknochen
  • Metallfreien Versorgungsmöglichkeiten
  • Speziellen Implantatgeometrien für Sofortimplantationen


Fazit: Sind einteilige oder zweiteilige Implantate besser?



Die evidenzbasierte Antwort ist einfach:

Keines der beiden Konzepte ist grundsätzlich überlegen.

Einteilige Implantate bieten einen vereinfachten biologischen Ansatz und verzichten auf die klassische Implantat-Abutment-Schnittstelle.

Zweiteilige Implantate bieten eine hohe prothetische Flexibilität und bleiben insbesondere bei komplexen prothetischen Versorgungen eine wichtige Option.

Moderne Keramikimplantatsysteme wie SDS BRIGHT vereinen beide Konzepte innerhalb derselben Tissue-Level-Philosophie und ermöglichen die Auswahl des Implantatdesigns entsprechend der klinischen Indikation.

Die Implantatauswahl sollte sich an der zugelassenen Zweckbestimmung, der verfügbaren Evidenz, den restaurativen Anforderungen, der klinischen Beurteilung sowie den individuellen Patientenfaktoren orientieren.




FAQs – Freie Schleimhauttransplantate an Keramikimplantaten

1. Was ist der Unterschied zwischen einteiligen und zweiteiligen Zahnimplantaten?
Einteilige Implantate vereinen Implantatkörper und Abutment in einer einzigen Struktur, während zweiteilige Implantate aus einem separaten Implantat und einem nach der Implantation verbundenen Abutment bestehen.
2. Sind einteilige oder zweiteilige Implantate besser?
Keines der beiden Designs ist grundsätzlich überlegen. Die geeignete Wahl hängt von der klinischen Indikation, der Primärstabilität, den restaurativen Anforderungen und den anatomischen Gegebenheiten ab.
3. Welche Vorteile bieten einteilige Implantate?
Zu den potenziellen Vorteilen gehören der Verzicht auf die Implantat-Abutment-Schnittstelle, eine reduzierte prothetische Komplexität, das Fehlen von Abutmentschrauben sowie die Kompatibilität mit Sofortversorgungskonzepten.
4. Welche Vorteile bieten zweiteilige Implantate?
Zweiteilige Implantate bieten eine hohe prothetische Flexibilität, die Möglichkeit zur Angulationskorrektur, individuelle Abutments sowie Unterstützung für komplexe prothetische Rekonstruktionen.
5. Sind einteilige Zirkonoxidimplantate besser als zweiteilige Zirkonoxidimplantate?
Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. Einteilige Implantate verzichten auf die restaurative Schnittstelle, während zweiteilige Systeme eine größere prothetische Flexibilität ermöglichen. Entscheidend ist die passende Fallauswahl.
6. Wann werden einteilige Implantate empfohlen?
Einteilige Implantate können im Rahmen von Sofortimplantations- oder Sofortversorgungskonzepten eingesetzt werden, wenn das jeweilige Implantatsystem für die vorgesehene Anwendung zugelassen ist und die patienten-, situations-, chirurgisch- und restaurativbezogenen Voraussetzungen erfüllt sind.
7. Wann werden zweiteilige Implantate empfohlen?
Zweiteilige Implantate bieten modulare restaurative Möglichkeiten. Ihr Einsatz bei reduzierter Primärstabilität, komplexen Rekonstruktionen, erhöhter funktioneller Belastung oder anspruchsvollen prothetischen Anforderungen erfordert eine systemspezifische Prüfung und individuelle klinische Risikoabwägung.
8. Sind zweiteilige Implantate anfälliger für Periimplantitis?
Periimplantäre Erkrankungen sind multifaktoriell. Implantat-Abutment-Schnittstellen werden als einer von mehreren potenziell relevanten Faktoren untersucht. Verbindungskonzepte können darauf ausgelegt sein, bakterielles Eindringen zu reduzieren, ihre klinische Auswirkung auf langfristige periimplantäre Gewebeverhältnisse hängt jedoch von zahlreichen system-, behandlungs- und patientenbezogenen Faktoren ab.
9. Warum bietet SDS sowohl einteilige als auch zweiteilige Keramikimplantate an?
Das SDS-BRIGHT-Portfolio umfasst die einteiligen SDS-1.2-Implantate sowie die zweiteiligen SDS-2.2-Implantate. Die Auswahl des Implantatsystems und der jeweiligen Konfiguration sollte auf den zugelassenen Indikationen, den geltenden Gebrauchsanweisungen, dem restaurativen Behandlungskonzept, der klinischen Beurteilung und den individuellen Patientenfaktoren basieren.





Regulatory and evidence note

Statements in this article are intended for scientific and educational discussion and do not replace the applicable instructions for use, approved intended purpose, contraindications, warnings, or professional clinical judgment. Product-specific statements should be verified against the currently approved labeling in the relevant jurisdiction. Clinical outcomes vary according to implant system, treatment protocol, operator-related factors, and individual patient conditions.




Wissenschaftliche Prüfung und medizinische Freigabe

Prof. Dr. med. dent. Etyene Schnurr
Prof. Dr. med. dent. Etyene Schnurr (Wissenschaftliche Beratung, SDS)
Berät SWISS DENTAL SOLUTIONS wissenschaftlich. Sie erforscht das orale Mikrobiom, Biofilm-Infektionen und deren Einfluss auf den ganzen Körper: von klinischer Forschung über Datenanalyse bis zu Medikamentenentwicklung.

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